Archiv für August 2006

Drive-through-Bank und entspannendes Fast food

Donnerstag, 31. August 2006

Heute wird’s ziemlich chaotisch, weil ich versuchen will, die verschiedensten Erlebnisse und Eindrücke zu berücksichtigen.

Erst mal aber meine Adresse, hab mich jetzt doch durchgerungen, die 15$ für die Mailbox zu investieren, und hoffe jetzt, daß sich das lohnt, m.a.W. ihr mir schreibt:

Philipp Braun
The University of Memphis
2749 Campus Postal Station
Memphis, TN 38152-3826
USA

Weil das aber nicht unbedingt auf meinem normalen Uni-Weg liegt, werde ich dort nur sporadisch vorbeischauen. Schreibt also am besten sicherheitshalber noch eine E-Mail dazu. 🙂
Postkarten verschicken werde ich, sobald ich Gelegenheit dazu habe. Habe bis jetzt nämlich noch keine gefunden.

Als nächstes will ich Euch mal wieder etwas vom amerikanischen Leben berichten. Daß die Amerikaner lauffaul sind und Entfernungen völlig falsch einschätzen (O-Ton „Das können Sie niemals zu Fuß laufen, das ist viel zu weit!!!“ (Fußweg ca. 5 Minuten), aber auch „Och, das ist nicht weit, nur drei Blocks in diese Richtung“ (Nachdem wir für den ersten Block ne knappe halbe Stunde gebraucht haben, haben wir aufgegeben)), ist ja hinlänglich bekannt und das habe ich ja auch schon bestätigt. Heute habe ich aber zwei besondere Juwelen entdeckt (nachdem ich am Freitag schon eine Drive-Through-Apotheke, die übrigens so groß ist wie bei uns ein normaler Supermarkt, und wo man auch Filme entwickeln kann, gesehen, was ja, wenn man dringend ein Medikament braucht, vielleicht sogar noch Sinn macht): Eine Drive-Through Bank (wollte ich eigentlich photographieren, aber da war tatsächlich gerade ein Kunde und ich wollte von dem nicht komisch angeguckt werden), und, jetzt kommt der Hammer:
Ein Drive-Through Telefon:


Gesehen habe ich das auf dem Weg zu einem Fahrradladen (kaum zu glauben, aber so was gibt es in der Tat auch in Amerika!). Hab mir aber noch keins gekauft, die hatten fast keine gebrauchten (zumindest keine, die auch nur annährend groß genug gewesen wären), und die neuen haben erst bei so 300$ angefangen, was mir aber eindeutig zu viel ist. Bin sowieso noch etwas unsicher, ob ich wirklich ein Fahrrad kaufen soll, denn die Uni ist ja super zu Fuß zu erreichen, und die weiteren Strecken kann man auch mit dem Fahrrad nicht bewältigen. Außerdem soll der Bus wohl doch gar nicht so schlimm sein. Und die Straßen sind teilweise auch ziemlich schrecklich, total viele Schlaglöcher! Aber bei den Geländewagen und Riesen-Vans, die die meisten hier fahren, ist das ja nicht weiter tragisch.
Übrigens haben die Autos hier auf der Vorderseite gar keine Kennzeichen, was sehr ungewohnt aussieht. Manche haben irgendwelche merkwürdigen Schilder, von Football- oder Basketball-Teams oder sogar von der Uni (hier gibt’s enorm viele Merchandise-Artikel, neben dem üblichen (sprich Kleidung in jeder Form, inkl. Socken, Bechern, Baseball-Kappen) und Einkaufstaschen über Terminplaner, Biergläser (wo doch hier gar kein Alkohol erlaubt ist auf dem gesamten Campus!) und Plüsch-Tigern bis hin zu Golfbällen und Golfschlägerschonern).

Jetzt noch ein paar Worte zu meinen Vorlesungen: In der Topologie-Vorlesung sind wir subjektiv schon weniger geworden (ja, noch weniger!), und der Dozent hat nach der Stunde, in der wir einfache Definitionen (etwa solche, die in Gießen unter der Überschrift „Naive Mengenlehre“ behandelt wurden, und zusätzlich noch das übliche, also Funktionen, elementare Eigenschaften von Funktionen) behandelt haben, aber auch schon erste Sätze bewiesen haben (z.B. daß jede Menge sich nicht selbst als Element enthält, oder Propositionen wie die de Morgan-Regeln), gefragt, ob er zu schnell sei, denn er wolle nicht noch mehr Leute verschrecken. Na gut, also wenn er das Tempo durchhält (in der ersten Stunde Kapitel 1.1 von Analysis I, dann schon so irgendwas um Kapitel 3 aus LAAG I), besteht ja doch noch die Gefahr, daß ich hier sogar etwas lerne! Nee, im Ernst, ich glaube und hoffe, daß das schon noch etwas schwieriger wird. In dem „Syllabus“ (so eine Art Seminarplan für Vorlesungen) ist schon irgendwas mit Hausdorff-Topologien oder so ähnlich angekündigt, davon habe ich zumindest schon mal noch nie gehört, obwohl das natürlich nicht heißt, daß es wirklich tiefsinnig ist.
Bei der „History of Mathematics“ (in Zukunft mit „HoM“ abgekürzt – à propos Abkürzungen: Davon gibt’s hier ziemlich viele, teilweise ist es ziemlich schwierig, das dann richtig einzuordnen) Vorlesung habe ich heute schon etwas mehr verstanden, aber da hat der Professor auch ständig Zwischenfragen gestellt zur Geschichte und Geographie Ägyptens im Vergleich zu Babylon. Obwohl man den Amerikanern ja eher schlechte Kenntnisse auf diesen Gebieten unterstellt, war ich sehr überrascht. Ich hätte da nicht halb so viel zu sagen können.
Partielle Differentialgleichungen sind zwar ganz schön und gut, aber ich glaube, da werde ich nicht viel verstehen. Unter höchster Anstrengung und Konzentration ist es mir gelungen, den Vorlesungen sowohl am Montag als auch heute zu folgen, aber angeblich haben wir nur „ganz einfache“ Sachen gemacht, und die Professorin (die übrigens an einen Gießener Hochschuldozenten erinnert, da sie ähnliche Interessensgebiete zu haben scheint, z.B. irgendwelche Wellengleichungen aus der Physik, und als erstes Kapitel auch motivierende Beispiele genannt hat) hat sich mehrmals dafür entschuldigt, daß es noch so langsam voran geht (ich konnte gerade so eben und wie gesagt nur unter größter Anstrengung folgen), aber versprochen, daß es noch „interessanter“ wird. Na denn.
Meine Philosophie-Vorlesung macht mir etwas Angst, weil man dort seinen Namen (und zahlreiche andere Dinge!!! Von wegen Datenschutz und so!!!) auf ein kleines Kärtchen schreiben mußte, und der Professor (hier nach Hoke Robinson suchen) diese dann dazu verwendet, um einfach Leute dranzunehmen, die irgendwelche schwierigen Fragen beantworten müssen, und, was für mich natürlich noch viel schlimmer ist, mitunter auch auf Kommentare der anderen Studenten antworten sollen, die ich sämtlichst überhaupt nicht verstanden habe. Die Professoren und Dozenten selbst verstehe ich aber größtenteils gut (was sie sagen wie gesagt manchmal nicht), bis auf den HoM-Prof.
Ach so, jetzt hätte ich fast die „Elementary Number Theory“ vergessen. Die ist aber wirklich auch extrem elementar. Gestern haben wir die Vollständige Induktion kennengelernt (für die Nicht-Mathematiker: Ein Beweisprinzip, was man in der Schule kennenlernt, so etwa 9. oder 10. Klasse würde ich sagen). Aber zumindest haben wir versprochen bekommen, daß dort viele Sätze bewiesen werden. Für HoM braucht man hingegen leider auch sehr viel „Calculus“, also so was wie irgendwelche langweiligen Formeln für Volumina etc., zumindest momentan, ich hoffe mal, daß das, wenn wir etwas weiter sind, das nicht mehr brauchen. (Der HoM-Professor ist übrigens auch sehr humorvoll, er hat so erzählt, daß es ja schon lange Mathematik gibt, und wir bei den Babyloniern anfangen, also ca. 4000 Jahre abzudecken hätten. Wir haben ein Semester Zeit. Also sollten wir uns etwas beeilen. Wenn man dabei den Professor sieht, der nicht unbedingt so wirkt, als würde er sich jemals unnötig stark beeilen, ist das schon recht lustig.)

Hier nimmt also alles so seinen gewohnten Gang. Heute habe ich auch meinen Namen geändert (nein, ich habe nicht geheiratet, aber die Uni hat mich immer als „Phillip“ statt „Philipp“ bezeichnet), was auch eine umfangreichere Aktion war. Und für das Wochenende hat der „Deutsch-Club“, in dem sich deutschlernende amerikanische Studenten zusammengetan haben (die können übrigens wirklich sehr gut Deutsch), eine Art Stadtführung angeboten, an der ich natürlich gerne teilnehmen werde.

Ich bin gefragt worden, was genau denn „sehr heiß“ hieße. Neulich beim Einkaufen hat ein Thermometer irgend etwas angezeigt, was wir als 29°C umgerechnet haben (diese scheußlichen Maßeinheiten nerven ungemein!), aber das war etwas außerhalb von Memphis, wo es eindeutig deutlich wärmer war. Heute stand in der Zeitung (ja, es gibt hier eine eigene Uni-Zeitung, täglich und kostenlos, zwar steht da nicht viel drin, aber das Sudoku und die Witze sind schon ganz o.k. (sorry für diesen Insider-Witz)), daß die Höchstwerte wiederum 29° und die Tiefstwerte 19° sind, keine Ahnung, ob das stimmt, aber heute war es auf jeden Fall deutlich kühler und auch sehr angenehm, nachdem es gestern leider ziemlich geregnet hatte.

Ahh, da sehe ich gerade die Überschrift, und mir fällt auf, daß ich noch etwas vergessen habe: Zwischen der Drive-Through-Bank und dem Drive-Through-Telefon war ein Fast-food-Restaurant mit WiFi/W-LAN. Da fragt man sich: Wenn es doch schon ein Fast-food-Restaurant ist, also alles darauf ausgerichtet ist, daß man möglichst schnell fertig ist mit Essen, wieso wirbt man dann dort damit, einen HotSpot zu haben?? In welcher Zeit, die man ja eigentlich gar nicht hat, wenn man dort hingeht, soll man denn Gebrauch davon machen?

So, jetzt gibt’s noch ein paar Bilder, und dann muß ich noch was lesen.
Hier reiche ich noch eins nach von der Party:


Hier noch eins von meinem typischen Frühstück:


Und so sieht die Bibliothek von außen aus:

Vielen Dank übrigens für Eure zahlreichen E-Mails. Ich bemühe mich, alle immer so schnell wie möglich zu beantworten und dabei eine möglichst gerechte Reihenfolge zu finden. Bis jetzt hat das ja auch immer ganz gut geklappt. Seid mir aber nicht böse, wenn ich in Zukunft mal etwas länger brauchen sollte.

Okay

Montag, 28. August 2006

Heute war ich zum ersten mal in der Mensa, und zwar schon direkt zum Frühstück, typisch amerikanisch: Buttermilchpancakes mit Ahornsirup und zwei Würstchen. Die sehen aus und schmecken wie Nürnberger, bin zwar der Ansicht, daß das nicht zum Frühstück paßt, ebensowenig wie eiskaltes Mist (so heißt die Sprite von Pepsi), aber hat trotzdem gut geschmeckt. Ich fürchte, ich muß mir hier doch angewöhnen, Kaffee zu trinken, denn ich kann ganz bestimmt nicht jeden Tag dieses widerlich süße Zeug (und wenn ich das sage, heißt das schon was!) schon zum Frühstück trinken.

Meine allererste Vorlesung war auch ganz lustig, ich war schon etwas zu früh, weil ich ja so aufgeregt war und den Raum noch suchen mußte; dort dann hat sich der Dozent gleich mit mir unterhalten und gefragt, was ich noch so für Kurse habe, und erzählt, daß er sich wundert, daß es so viele Leute sind, weil sich normalerweise nur die Hälfte für diesen Kurs (Topologie) registriere (es waren übrigens ca. 12 Teilnehmer), da es ja ein schweres Thema sei. Einen Kommilitonen hat er noch gefragt, warum er sich für Topolgie interessiert. In Deutschland habe ich das noch nicht erlebt. Meine allererste Vorlesung war auf jeden Fall ziemlich lässig, es hat nur ca. 20 Minuten gedauert, und wir haben Wahrheitstafeln aufgestellt. War also alles ganz gut verständlich. 🙂
Für die zweite Vorlesung hatte ich mir extra gleich nach dem Frühstück noch das Buch gekauft, für das ich, wie ich feststellen müßte, einen völlig überhöhten Preis bezahlt habe, nämlich 71.25$, obwohl es in einem extrem schlechten Zustand ist:
Gebrauchtes Buch „An Introduction to the History of Mathematics“:


Aber das bei Amazon.de zu bestellen wäre auch nicht viel billiger geworden durch den Transport zu mir, der zumal sehr schwierig würde, denn ich habe gar keine Adresse! Wenn man eine haben will, muß man sich für teuer Geld eine Mailbox mieten, was aber m.E. keinen Sinn macht, weil die wahrscheinlich winzig klein ist und höchstens Postkarten reinpassen würden. Wer mir ne Postkarte schreiben will, möge sie also einscannen und mir per E-Mail schicken. 😉 Ach so, wer übrigens eine Postkarte haben will, kann sich bei mir melden, aber das wird wohl noch etwas dauern.
Wo war ich? Ach so, die zweite Vorlesung! Ja, also „History of Mathematics“. Den Titel habe ich ja noch verstanden. Und daß man scheinbar so eine Art Hausarbeit, oder sogar mehrere, schreiben muß. Wobei ich immer noch nicht verstanden habe, was passiert, wenn ich das nicht tue. Ob ich dann sofort nach Hause (oder nach Guantanamo?) muß, oder ob ich dann nur keinen Schein bekomme, den ich eh nicht brauche??? Jedenfalls ist der Professor, der auch als typischer Mathematikprofessor durchgeht (er trug eine Krawatte (ja, immerhin!) von der AMS, welche ziemlich komisch aussieht), schon etwas älter und zittrig, und sagt nach ein paar Worten stets „okay“, manchmal auch nur mit „kay“ abgekürzt. Das ist sehr lustig, hilft aber nicht beim Verstehen, denn er spricht, obwohl er manche Worte besonders sorgfältig auswählt, sehr schnell, und eben ziemlich amerikanisch. Ich bin mal sehr gespannt, wie lange ich das durchhalte.

Jetzt muß ich schleunigst wieder zur nächsten Vorlesung: Partielle Differentialgleichungen. Da werde ich aber, selbst wenn ich linguistisch alles verstehen sollte, wohl auch nicht so viel mitnehmen können. Aber mal sehen. Ich bin auch schon sehr gespannt auf meine Philosophie-Vorlesung, der Dozent dort ist immerhin mal Humboldt-Fellow gewesen und ist auch Vorsitzender (?) von irgend so einer Kant-Akademie. D.h. er wird mir schwierige Wörter bestimmt auf Deutsch übersetzen können. 🙂 So, jetzt aber schnell, in 16 Minuten geht’s los.

„Hackedicht“…

Sonntag, 27. August 2006

…klingt lustig, wenn ein Koreaner versucht, das auszusprechen.

Hab leider nur ein Foto gemacht gestern; eigentlich wollten wir ja in einen Club gehen, aber es wurde dann in unserer WG doch noch lustig genug um hier bleiben zu können. 🙂
Das Foto ist aber schon ziemlich am Anfang des Abends entstanden, da war es noch nicht so lustig. Lustig ist vor allem die Tradition beim „Bom“ (keine Ahnung, wie man das schreibt) – so bezeichnet man Soju mit Bier gemischt: Da wird erst Soju eingeschenkt, mit Bier aufgefüllt, das Glas mit einem Taschentuch abgedeckt und kräftig(!) auf den Tisch gehauen, dann nochmal kurz, aber kräftig geschüttelt und dann das Taschentuch an die Wand geworfen, so daß es dort kleben bleibt.

Heute hab ich, nachdem ich das nochmal überschlafen habe, mir das Buch zur „History of Mathematics“-Vorlesung kaufen wollen, aber da hatte die schrottige Bücherei natürlich zu. Hab dann aber auf dem Weg wenigstens nochmal ein paar Bilder von der Uni gemacht.

Das ist das Wohnheim, in dem ich wohne:

Hier ein paar Bilder von der Uni:

Und hier von unserer WG-Party:

Dieser Artikel enthält keinen Zucker

Sonntag, 27. August 2006

Heute leider keine Bilder, hab bei sämtlichen Unternehmungen die Kamera vergessen.

Also, was hat sich ereignet? Jetlag – was ist das? Ich hab heute bis 8 Uhr geschlafen (nachdem ich gestern nur bis 5 Uhr schlafen konnte, was eindeutig zu kurz war)! Bin aber andererseits gestern erst um 2 ins Bett, denn es gab Soju. Kann man (wie so vieles) natürlich auch mit Bier mischen – und dann heißt es nur „one shot“ („auf Ex“), wobei man zum Beweis, daß man alles ausgetrunken hat, das Glas umgekehrt über den Kopf halten muß (wenn man nicht alles ausgetrunken hat, wird man naß). Apropos Beweis, das freut natürlich einen angehenden Mathematiker. Dort wird ja zum Glück noch nicht über die Wahrheit abgestimmt, so wie in der Astronomie (jetzt gibt es plötzlich nur noch acht Planeten).
Und bei „Wahrheit“ fällt mir auch gerade was ein: In Amerika gibt es tatsächlich nichts zu kaufen, auf dem nicht mindestens zwei der Kategorisierungen „low fat“, „low calories“, „no coffeine“ oder erstaunlicherweise sogar „no sugar“ stehen. Und Milch gibt es auch keine „ganz normale“ – entweder die mit „low fat“, oder aber eine mit Vitamin D, wobei es sonst nur Milch mit Erdbeergeschmack gibt. Die low-fat-Milch, die ich jetzt gekauft habe, ist zwar erstaunlich lange haltbar, schmeckt aber nach nichts. Noch schwieriger ist es aber, „ganz normales“ Mineralwasser zu bekommen. Fast alle Getränke, die Kohlensäure enthalten, enthalten gleichzeitig sehr viel Zucker, und selbst Getränke ohne Kohlensäure haben einen merkwürdigen Geschmack (z.B. Kiwi-Erdbeer). Am meisten gibt es aber sogenannte „energy drinks“. Wenn das Zeug was nutzen würde, hätte ich hier aber nicht so viele Autos und so wenige Fußgänger (um noch ein Klischee zu bestätigen) gesehen. Am besten sind aber noch die „Serving size“ Informationen. Dort wird erklärt, daß eine „Portion“ (mir fällt kein besseres Wort ein) aus z.B. einer Flasche Wasser besteht, oder aus genau zwei Kaugummis, oder soundsoviel Unzen Cornflakes. Das hat mich sehr stark an das Kapitel „Vor Gebrauch ungläubig den Kopf schütteln“ aus dem Buch von Volker Thönnes, bei dem ich die Ehre hatte ein Seminar über Hobbes zu besuchen, erinnert, welches im übrigen sehr amüsant ist (u.a. wird dort auch erklärt, was „Kuschelpädagogik“ ist).
Was aber sehr praktisch ist, ist daß es praktisch kein Pfand gibt (heute habe ich Beck’s gekauft, da gibt es glaube ich schon Pfand drauf, aber das ist mir egal). Leere Plastikflaschen und auch Dosen (das sind so Behälter aus Aluminium, wo Getränke drin sind) schmeißt man einfach weg anstatt sie irgendwo zu sammeln, um sie dann wieder durch die Landschaft zu fahren, damit man das Pfand zurückbekommt und sie jemand anderes wegschmeißt.
Was aber in hohem Maße ineffizient ist sind die Toilettenspülungen. Zum einen spült das nicht richtig und zum anderen steht da jedes mal bis zur Hälfte das Wasser drin, sodaß ich beim ersten mal, als ich aber ganz dringend mußte, schon befürchtete, etwas sehr ekliges zu tun, weil die Toilette verstopft ist. Das war sie dann aber gar nicht, die ist einfach immer so voll.
Was gab’s sonst noch? War heute bei der Sporthalle, die ist echt perfekt ausgestattet, da gibt es fast nichts, was es nicht gibt, und von allem sehr viel. Hab mir ja fest vorgenommen, hier mehr (also überhaupt etwas 🙂 ) und regelmäßig jeden Samstag Sport zu treiben, aber erst ab nächter Woche, heute ist ja noch kein Semester. Naja, ich weiß schon, wie das endet: nächste Woche sage ich, sobald ich ein Fahrrad habe (weil das ganz schön weit ist zum Laufen!), und dann regnet es, und dann ist es so kalt, daß ich nicht völlig verschwitzt durch die Kälte laufen oder fahren will, …
Die Uni ist aber wirklich sehr schön, ich werde auf jeden Fall noch Bilder machen. Obwohl mir das ja sonst eigentlich egal ist, was zählt ist schließlich der Inhalt und nicht die Verpackung, fällt das doch gleich positiv auf – wie man ja gegen eine schöne Verpackung trotzdem nichts einzuwenden hat.
Was aber in hohem Maße erschreckend ist sind die Buchpreise. Auf dem Unigelände ist auch eine Buchhandlung, wo sogar zu den einzelnen Kursen die benötigten und empfohlenen Bücher zu bekommen sind. Alles schön übersichtlich nach Kursen sortiert. Es gibt sogar gebrauchte Büher, die 25$ billiger sind. Das klingt gut. Sie kosten aber trotzdem noch 96.35$. Das ist nicht so gut. Vor allem weil man für manche Kurse angeblich drei bis vier von dieser Sorte „braucht“. Was ohnehin total fremd für mich ist — ein Buch fürs Studium kaufen zu müssen. Eigentlich geht man doch nur in die Vorlesungen, damit man sich keine Bücher kaufen und die dann lesen muß, oder habe ich da was falsch verstanden? Das sagt doch auch schon der Name – Vorlesung. Es ist aber auch wirklich hinterhältig, daß das hier plötzlich „course“ heißt.

Ich bin mittlerweile wieder mehrfach gefragt worden, ob ich ICQ oder Skype habe. Skype geht bei mir nicht, weil ich kein Linux mehr habe (wo aber das W-LAN eh nicht funktioniert hat) und schon gar kein XP einsetzen werde. Da telefonier ich ja noch lieber mit Dosentelefon. ICQ werde ich vorerst auch nicht nutzen, bin eh immer nur mal kurz online, zumal zu Zeiten, wo in Deutschland gearbeitet oder geschlafen wird :-). Muß aber mal sehen, ob ich das vielleicht doch noch benutze, weil das evtl. auch für die Kommunikation innerhalb von Memphis hilfreich sein könnte.

Einkaufen und Stundenplan

Samstag, 26. August 2006

Wie das so ist als Student hab ich nicht viel Zeit (denn gleich gehen wir feiern 🙂 )… Aber für einen kurzen Zwischenbericht hat sich genug ereignet:
Nachdem ich heute morgen meinen tollen Studentenausweis bekommen habe (auch in Chipkartenform, aber man mußte, als das Bild gemacht wurde, nicht wie in Gießen zig Wochen drauf warten, sondern nur ein paar Minuten), kann ich Euch aber leider grad nicht zeigen. ^^
Nachdem mir dann mein Stundenplan bestätigt und ausgegeben wurde (ich also alles, was ich wollte, auch besuchen darf), der folgendes beinhaltet: History of Mathematics, Partial Differential Equations I, Topology, Elementary Number Theory und Fundamental Issues in Philosophy und ich noch etwas Papierkram erledigen mußte, ging’s dann einkaufen. Die Apartments sind ja leider sehr spärlich eingerichtet, dafür wurden wir aber zu Aldi (ohne Quatsch!!) und Wal*Mart (das Supercenter ist ungefähr 4 mal so groß wie das in Gießen) gefahren, wo wir einkaufen konnten. Neben einigen Lebensmitteln (hoffe mal, daß meine Milch nicht schlecht geworden ist, heute ist es nämlich extrem heiß gewesen) haben wir (das sind 22 internationale Studenten) hauptsächlich Geschirr, Töpfe, Toilettenpapier (ja, noch nicht mal das war hier!), Kissen (gab’s seltsamerweise auch keine) und natürlich Getränke en masse gekauft. Sah richtig lustig aus, als wir das Zeug aus dem Bus, der wieder weg mußte, geschafft haben, kommt durch das Bild leider gar nicht richtig zur Geltung!
Hätte mir bei Wal*Mart übrigens fast eine Kindergitarre gekauft für 30$, die war ja so süß! Hab’s dann aber doch nicht getan. Ich fürchte, daß ich ohne Instrument auskommen werde. Hab hier so viele Abwechslungsmöglichkeiten, daß ich eh nicht üben würde. Und welche Band sucht schon einen Bassisten für gerade mal ein paar Monate?? Außerdem sind hier die Wände super hellhörig (wenn man genau hinhört kann man die Mitbewohner schnarchen hören. Ist aber nicht so laut, daß es beim Schlafen stören würde), und ich bin objektiv zu schlecht, um die anderen mit meiner Überei zu belästigen. Außerdem ist mir ein Fahrrad erst mal dringender.



So, jetzt will ich noch ne Kleinigkeit essen, bevor wir losgehen. Hab grad geduscht, muß man hier momentan mehrmals täglich, ist nämlich doch um einiges heißer, als ich es gestern Abend mitbekommen habe.

Da bin ich

Freitag, 25. August 2006

So, am ersten Tag nach meiner Ankunft gibt’s natürlich erst mal das übliche Blabla.
Also, wie ging’s los? Mit der Feststellung, daß elektronische Tickets den Check-In-Vorgang in keinster Weise beschleunigen noch sonstige Vorteile bieten – zumindest dann nicht, wenn das Reisebüro, so wie bei mir, behauptet, daß ich elektronische Tickets habe, was sich aber als eine Lüge herausstellt. Schon bei der allerersten Kontrolle (wo man u.a. gefragt wird, wer wann wo den Koffer gepackt hat) mußte man erst Kollegen fragen, ob ich trotzdem weiter durfte, denn ich hatte ja einen Beleg, daß ich den Flug bezahlt habe. Doch die Koffer wollte man mir natürlich ohne „richtiges“ Ticket nicht abnehmen. Das sollte ich beim Delta Schalter bekommen. Tja, da kam der Nachteil an einem Reisebüro für „Studentenreisen“ ans Licht – der Versuch, dort jemanden zu erreichen, schlug nämlich erst mal fehl (na gut, es war ja aber auch noch vor 9 Uhr). Da mich meine Großeltern natürlich überpünktlich zum Flughafen gefahren haben (und dennoch viel aufgeregter waren als ich; übrigens ist der Aufgang zur Sky Line doch bei Terminal 1B und nicht 1C), war das aber halb so schlimm. Daß ich das Ticket erst später bekommen habe, war dann gar nicht mehr so schlimm, weil dann auch die Schlange bei der Gepäckabgabe schon nicht mehr ganz so lang war. Als dann meine Schuhe (!) noch zweimal durchleuchtet wurden, weil der eine anders aussah als der andere, mir dann aber doch geglaubt wurde, daß ich keine Waffen drin versteckt habe, konnte es dann losgehen.
Der Flug verlief ohne größere Probleme, es gab sogar Bildschirme in den Vordersitzen und der „Service“ war auch gut (ich weiß echt nicht, was an Delta Airlines so schlecht sein soll); auch das Umsteigen in Atlanta war einfach (hatte davor zunächst etwas Angst, als ich gelesen habe, daß es der größte Passagierflughafen der Welt ist – ich komme ja schließlich vom Dorf, wo es nicht mal einen Bahnhof gibt, und wo die einzige Ampel nur eine Fußgängerampel ist). Und wenn man sich ständig vergewissert, daß die Sicherheitsleute sich diese aberwitzigen Regelungen nicht ausgedacht haben und eigentlich ganz nett sind, macht man da auch viel entspannter mit (nochmal Schuhe durchleuchten (ich könnte ja in der Zwischenzeit eine Stichwaffe aus den Flügeln des Flugzeuges gebastelt und in meinen Schuhen versteckt haben) – nachdem ich diese ca. 11 Stunden am Stück an hatte, sprich das Ausziehen derselben war schon eine größere Gefährdung als sämtliche Gegenstände es hätten sein können, die ich dort versteckt haben könnte; Fingerabdrücke nehmen; Fragen, die man schon tausend mal beantwortet hat, nochmal beantworten; …)
Der Flughafen von Memphis wirkt übrigens ziemlich mickrig, obwohl es der größte Frachtflughafen der Welt ist. Der Flughafentransfer hat auch super geklappt, trotz der Verspätung meines Anschlußflugs, und am Flughafen wurden noch andere Deutsche abgeholt. Da die aber ganz andere Sachen studieren, werde ich vermutlich trotzdem noch genug Gelegenheit bekommen, mein Englisch zu verbessern.
Das Wohnheim ist auch ganz angenehm, hab sogar ein Einzelzimmer, von dem ich ja ganz begeistert bin. Das ist viel größer als z.B. die Zimmer im Eichendorffring in Gießen, und wir sind in dem Apartment auch nur zu viert. Trotzdem gibt es zwei Bäder (es hat aber eine ganze Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, wie die Dusche funktioniert, weil es ist auch eine Badewanne und das Wasser kam erst nur aus dem unteren Teil), und mein Zimmer hat sogar einen begehbaren Schrank oder Abstellraum. Klimaanlage gibt’s natürlich auch, Heizung aber nicht, wobei ich nicht so genau weiß, ob der Schacht von der Klimaanlage im Winter dann als Heizunglüftung dient. Aber vielleicht wird’s ja auch gar nicht so kalt. Aber die Decke ist trotzdem etwas dünn, und die Matratze macht auch immer irgendwelche komischen Geräusche. Naja, mal sehen, werde schon nicht erfrieren.
Das Wetter ist übrigens bis jetzt auch noch sehr schön, ziemlich warm, aber nicht mehr zu warm.
Hab hier auf dem Zimmer sowohl Kabel-Internet als auch W-LAN, hoffentlich komme ich da noch zum feiern…. äh, studieren, denn jetzt ist ja sozusagen mein Nachbar immer da. 🙂 Funktioniert aber beides noch nicht, weil ich noch keine Benutzerkennung habe und auch noch nicht so genau verstanden habe, wo man die bekommt. Bis ihr das hier lesen könnt, wird es also noch etwas dauern. Hatte schon lange genug damit zu kämpfen, den Laptop mit Strom zu versorgen, weil in meinen Adapter keine großen Stecker gepaßt haben (das hätte ich natürlich auch zu Hause schon feststellen können) und ich dann so Plastikteile, die im Weg waren, mit eine Nagelschere (wohlgemerkt für Finger-, nicht für Stahlnägel) entfernen mußte, was mir einige Blasen an den Händen bescheren dürfte. 🙂 Jetzt ist es immer noch eine etwas wacklige Konstruktion, aber wenn man nicht am Kabel wackelt, läuft es ohne Unterbrechung.
OK, das soll erst mal genügen für heute. Bin eh gleich zum Frühstück verabredet. 😉 Wirkt auf jeden Fall alles sehr vielversprechend hier! Übrigens ist das hier mit dem Blog nicht als reiner Monolog gedacht, ich will gerne auch auf Eure Fragen eingehen, die ihr gerne als Kommentare hinterlassen oder mir per E-Mail schicken könnt.


Jetzt ist es Nachmittag und ich hab schon die Kennung für den Internetzugang bekommen. Es folgen ein paar Bilder von meinem Zimmer:

So sieht es in meinem Zimmer aus:

Und diesen Ausblick habe ich aus meinem Zimmer beim Sonnenaufgang: